Goethe in Italien

1786
Goethe konzentriert sich mehr auf den kulturpolitischen Bereich, bleibt jedoch Berater für den Herzog. Er beaufsichtigt die Universität Jena.
Goethe resigniert in Anbetracht des Nichterreichens der gesteckten Ziele in Weimar, sieht die Preisgabe seines poetischen Talents zugunsten der amtlichen Tätigkeit als fragwürdig und flüchtet am 3. September in Absprache mit dem Herzog nach Rom. Damit leitet Goethe die Weimarer Klassik ein.

1787
Im Februar 1787 zieht Goethe weiter nach Neapel, setzt im März nach Sizilien über und kehrt im Juni nach Rom zurück.
Während seiner Italien-Reise trifft er Johann Heinrich Meyer und Karl Philipp Moritz, es entstehen nur wenige neue Werke. Goethe arbeitet an vorher in Weimar angefangenen Werken, z.B. der Versform der „Iphigenie auf Tauris“, „Torquato Tasso“ sowie „Faust“ und schließt „Iphigenie auf Tauris“ und „Egmont“ (Prosa, 12 Jahre der Entstehung) ab. In „Iphigenie auf Tauris“ kommt Goethes Grundüberzeugung zum Ausdruck, dass allein Wahrheit Friede sei und beides im Weiblichen begründet sei.



 

1788
Im Juni kommt Goethe nach zweimonatiger Reise wieder in Weimar an und erklärt dem Herzog, er hätte sich selbst als Künstler, als Dichter wiedergefunden, wäre wiedergeboren. Nach seiner Rückkehr nach Weimar wird er seiner bisherigen Ämter enthoben.
Goethe lernt die bürgerliche Christiane Vulpius kennen, Schwester des Schriftstellers Christian August Vulpius. Aufgrund von Goethes Adelsstand wird die Verbindung von Goethe zu Christiane Vulpius als Missstand angesehen. In dieser Zeit entstehen auch die „Erotica Romana“, deren Freizügigkeit auch von engen Freunden Goethes wie Charlotte von Stein und Herder kritisiert wird.

1789
Im Sommer 1789, kurz vor Ausbruch der Französischen Revolution, vollendet Goethe „Torquato Tasso“ (klassisches Drama, erstes echtes Dichterdrama).

1790
1790 folgt eine weitere unfreiwillige Italienreise, bei der Goethe der aus Italien zurückkehrenden Herzogin Anna Amalia entgegenreist. Es entstehen die 1795 publizierten „Venetianischen Epigramme“. Diese beschreiben im Gegensatz zur ersten Italienreise die Schattenseiten Italiens und beschäftigen sich mit der Französischen Revolution.
Goethe widmet sich wieder verstärkt den Naturwissenschaften und schreibt den „Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklären“.
Goethe glaubt, die Farbenlehre Newtons widerlegt zu sehen, weil er beim Blick durch ein Prisma keine Zerlegung in Farben erkennen kann, wie Newton es beschrieben hatte. Er übersieht, dass diese Farben sich allerdings auf weißem Papier wieder zu weiß vereinen. Goethe sieht das Licht als das Göttlich-Eine, Farben entstünden durch das Zusammenspiel von hell und dunkel. Er konzentriert sich auf die subjektive Wahrnehmung der Farben und beeinflusst mit seinen Theorien die romantischen Poeten sowie die Maler seiner Zeit.

1791
Goethe wird Direktor des Hoftheaters (bis 1817), Leiter des Freien Zeicheninstituts sowie Mitglied in verschiedenen Kulturkommissionen.

Weiter zur Weimarer Klassik.