Sturm und Drang

1771
Kurz vor seinem 22. Geburtstag kehrt Goethe nach Frankfurt zurück und richtet im Elternhaus eine Kanzlei ein. Vier Jahre lang arbeitet er aktiv als Jurist, betreut dabei aber nur wenige Fälle.
Im November/Dezember schreibt er innerhalb von sechs Wochen das Drama „Götz von Berlichigen“ (urspr. „Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand“), ein Werk, das die Normen des Klassizismus sprengt. Unter Rücksicht auf die Konventionen entschärft Goethe die Fassung, die trotzdem als Revolution empfunden wird. Das gefällt in erster Linie den jüngeren Poeten, das Stück gilt somit als dramatisches Gründungsdokument des Sturm und Drang.

1772
Goethe macht auf Drängen seines Vaters hin ein Praktikum am Reichskammergericht in Wetzlar und lernt das Paar Charlotte Buff und Johann Christian Kestner kennen. Er verliebt sich in Charlotte und verlässt Wetzlar nach einigen Monaten. Die Liebe zu der Verlobten seines Kollegen Kestner und andere Erfahrungen sind die Grundlage für Goethes Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“.
Goethe kehrt nach Frankfurt zurück und erlebt dort eine kreative Hochphase, in der er unter anderem „Prometheus“ verfasst.



 

1773
Entstehungsphase des sogenannten „Urfaust“, der von Goethe selbst nicht veröffentlicht wird.

1774
Veröffentlichung des innerhalb von vier Wochen geschriebenen Briefromans „Die Leiden des jungen Werther“, der als Sinnbild für den durch eine unerfüllte Liebe in den Selbstmord getriebenen, in seinem Gefühlsüberschwang an einer widerständigen Umwelt zerbrechenden Schwärmer steht. Der Roman kommt bei der Bevölkerung sehr gut an, man kann sich mit Werther identifizieren.
Im Mai: Veröffentlichung von „Clavigo“, „Stella“ und „Schauspiel für Liebende“. In der ursprünglichen Fassung von Stella geht die Hauptfigur Fernando ein Dreiecksverhältnis mit Stella und Cäcilie ein, was das Publikum so schockiert, dass Goethe später den Schluss durch ein tragisches Ende ersetzt. „Clavigo“ stellt Goethes erstes zeitgenössisches Theaterstück dar.

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